Biblische Gesänge

Klarheit und Klangfülle   (Bayreuth 2.8.97) HANS-JOACHIM BAUER
Konzert für Baß und Orgel in Schloßkirche zu Ehren von Brahms

Zu ehren des 100. Todesjahrs von Johannes Brahms veranstalteten Ben Königes (Baß) und
Christoph Krückl (Orgel) am 30. Juli in der Schloßkirche ein Gedenkkonzert, das in seiner
schönen Klarheit der „Vier ernsten Gesänge" von Johannes Brahms und der warmen Klangfülle
bei der Interpretation von Anton Dvoráks „Sechs Psalmen op. 99" eine schöne Stunde
besinnlicher Einkehr bot.

Anschauliche Interpretation.

Ben Königes Stimme hat in ihrem Volumen wahre biblische Ausmaße und ist deshalb besonders gut geeignet, derlei
Vertonungen  ergreifend zu interpretieren. Die Klarheit des Elementarischen in den Bibeltexten kam anschaulich zum
Ausdruck, zumal die Schlichtheit und Wahrhaftigkeit dieses Ausdrucks das überzeugendste Ausdrucksmittel selbst war.
So gelang auch zu Beispiel im Abschnitt „ O Tod, wie bitter bist du" eine überzeugende Mahnung, die über Besänftigung
bis zum Trost sich verwandelte.
Von ähnlich anschaulicher Interpretation waren auch die Gesänge der von Dvorák komponierten „Sechs Psalmen"
geartet: hier allerdings mehr Musikdramatik mit eindringlichem Erzählton, gelegentlicher Traulichkeit und Tönen der
Verkündigung, bis hin zum abschließenden Alleluja auf den Text „Ein neues Lied will ich dir singen".
Neben der sehr einfühlsamen Begleitung dieser eben charakterisierten Gesänge hat Christoph Krückl an der Orgel noch
das einleitende „Präludium und Fuge in g-Moll" von Johannes Brahms und die gleichsam in scharfen Zungen interpretierte
„Introduktion und Passacaglia d-Moll" von Max Reger mit Verve und technischer Brillanz vorgetragen.
Aber wie so oft war wenig Publikum in einem Konzert, das mehr Aufmerksamkeit verdient  gehabt hätte, jedoch sehr
anerkennenden Beifall erfuhr.

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