Heine-Abend

Die Stimme träumt mit   (HT 10.3.98)  RICHARD FÄRBER

Interpretation aber weitgehend dem Sänger überlassen

Prosa und Lieder von Heinrich Heine: Karla Gräf, Marlene Wollmann und Ben Königes tragen auf Einladung von Volkshochschule und Stadtbibliothek in der für lyrisch-literarische Verhältnisse hervorragend besuchten Hospitalkirche vor.

... Karla Gräf ... nähert sich den Texten ... auf Zehenspitzen, als wolle sie jegliche Fehlinterpretation ausschließen. Sie erreicht damit zwar, daß Heine für sich selbst spricht (was er bestens kann), verzichtet aber dafür (bewußt?) auf den spannenden Kontrast, den man bei zwei Vortragenden eigentlich hätte erwarten können. Sie überläßt, mit anderen Worten, das weite Feld der Interpretation und der Emotion  widerspruchslos dem Sänger Ben Königes.
Der einen Widerpart verdient hätte. Denn Königes taucht, von der Pianistin Marlene Wollmann in adäquater Zurückhaltung begleitet, tief ein in die Psyche des Dichters. Stimmt: Schumann und Schubert haben das Tonmaterial geliefert, ein ausgebildeter und erfahrener Sänger mag da wenig falsch machen können. Aber Königes vermag durchaus eigene Nuancen einzubringen: Er empfindet nach, er lächelt, trauert, träumt und liebt und mit ihm tut dies seine Stimme, die sich zwar oben manchmal ein wenig anstrengen muß, von ihrer Souveränität aber nichts abgibt. So daß man schließlich mit Recht den Abend überschreiben kann mit „Königes interpretiert Heine".

 

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