Lieder vom Tod

Bin Freund und komme nicht zu strafen   (HT 20.11.99) RALF SNURAWA

„Dunkel ist das Leben, ist der Tod", so klingt es noch in Gustav Mahlers „Trinklied vom Jammer der Erde". Dieses auf dem Kulminationspunkt der Spätromantik geschriebene Lied zeigt wohl am deutlichsten die Thematisierung des Todes in der Musik der Romantik. Schubert ist hier als einer der ersten zu nennen, bei dem der Tod eine zentrale Rolle im Liedschaffen spielte, so beispielsweise in seinem Lied „Der Tod und das Mädchen" auf ein Gedicht von Matthias Claudius.

Ben Königes, Bass, trug, am Klavier begleitet von Marlene Wollmann, dieses Schubert-Lied am Dienstag in einem Liederabend vor, der den Vortrag „Der Tod und sein Gegenüber im Totentanzgemälde" von Hildegard Bock umrahmte, in dem es vorwiegend um Darstellungen des 15. Jahrhunderts ging. Im Mittelpunkt standen dabei Basler Totentanzgemälde, in denen der Tod zum Tanz aufspielt. Daneben wurde - mit Blick auf die Lieder von Schubert und Mussorgski - auch das Sujet des Todes angesprochen, der zum Tanz auffordert: mit dem Kardinal, dem Krämer oder der Jungfrau.
Vor diesem Vortrag erklangen die „Vier ernsten Gesänge" von Johannes Brahms, ein abgeklärtes Alterswerk. Sowohl Ben Königes als auch Marlene Wollmann betonten den Facettenreichtum dieses Liedzyklus: Sei es das besonders expressiv ausgeführte resignative Moment, sei es der verklärende Aspekt, die Klage oder das Sich-Beruhigen. Ben Königes überzeugte mit seinem profunden Baß vor allem im ersten der vier „Gesänge" mit seiner monotonen Diktion, aber ebenso sanften und zarten Passagen. Er harmonierte hervorragend mit Marlene Wollmann, deren Spiel zwar vorwiegend dezent begleitend war, aber durchaus nicht nur im Hintergrund blieb, sondern an entscheidenden hervortrat. Besonders deutlich wurde dies vor allem bei Mussorgskis „Lieder und Tänze des Todes", die extrovertierter als Brahms` Lieder, ja sogar dramatisch fordernd sind. Marlene Wollmann verstand es hier gekonnt zu untermalen und führte das Klavier als der Stimme gleichberechtigt vor. Dies war beim „Trepak" von entscheidender Bedeutung, denn die dissonanten Akkordeinwürfe des Klaviers karikieren die vermeintliche Idylle des Textes am Schluß des Liedes. Ben Königes zeigte in diesem Zyklus insbesondere die dynamische Bandbreite seiner Stimme: Vom schmeichelnd-geschmeidigen und verhaltenen „wonnig und zauberhaft" der „Serenade" bis hin zum kräftigen Schmettern bei „Kanonen donnern" in „Der Feldherr".
Insgesamt war es ein rundum gelungenes Konzert, von einer Art, wie man es gern des Öfteren in Hall hören möchte, denn Liederabende sind in dieser Stadt eine Rarität.

 

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