Franz Schuberts „Winterreise" mit Ben Königes in der Hospitalkirche

Schlüsselwerk der Romantik durchdacht interpretiert (HT 2.3.99) HELMUT BRANDT
„Zyklus schauriger Lieder" riß manchen Zuhörer aus lyrischer Erwartungshaltung

... Als musikalisches Schlüsselwerk der Romantik hatte die „Winterreise" ein zahlreiches und teils bemerkenswert junges Publikum angezogen.
Bereits das erste der 24 Lieder riß die  Zuhörer aus  ihrer lyrischen Erwartungshaltung. Die hart stampfend daherkommenden  Klavier-Achtelnoten sorgten für Verstörung. Ganz bewußt, waren doch auch Franz Schuberts Freunde von seinem „Zyklus schauerlicher Lieder", wie er selbst sie nannte, zunächst „ganz verblüfft" gewesen.
... Mit seiner  metallischen und doch angenehm weichen Stimme traf Ben Königes den jeweils gemäßen Ton für das Getriebensein des Wanderers, selig-unseliges Erinnern an bessere Tage, heroisches Aufbäumen vor dem Versinken in Resignation. Ohne lyrische Exzesse traf Königes zarte Nuancen („Der greise Kopf"), den Volkston des „Lindenbaums" und die schnellen Stimmungswechsel etwa im „Frühlingstraum".
Marlene Wollmann verband eine durchdacht Gestaltung des in vielen Liedern als durchaus gleichberechtigt angelegten, übrigens oft ausgesprochen schwierigen Klavierparts mit einem hohen Maß an begleiterischer Sensibilität. So herzlich war den Applaus, daß „Aufenthalt" aus dem „Schwanengesang" als Zugabe erklang.